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Zwischen Kopftuch und Karriere

Quelle: tagesschau.de
Mittwoch: 16. 06 . 2010

Im Oman gibt es immer mehr berufstätige Mütter. Der Sultan fördert Frauen nach Kräften. Mit dem im Westen vorherrschenden Bild von Frauen am Golf ("verhüllt, entmündigt, weggesperrt") hat die Wirklichkeit kaum etwas zu tun. Weil die Frauen so gut sind, musste die Uni eine Männerquote einführen.

Eine Villa in einem schicken Vorort von Maskat. Hier ist der Sitz der Marketingfirma "Envent". In der Einfahrt eine chromglänzende Sportlimousine aus deutscher Produktion - der Wagen der Chefin, Salma al-Hashmi: "Es ist gut, dass unsere Gesellschaft von Männern dominiert wird. Denn wohin auch immer ich als Frau komme, habe ich das Gefühl, auf einem roten Teppich empfangen zu werden. Bei Behörden, zum Beispiel: Da sind lauter Männer, und weil ich die einzige Frau bin, kriege ich eine Vorzugsbehandlung."


Bild:

 

Hose, Bluse und Kopftuch

Salma al-Hashmis Outfit ist ein Mix zwischen traditionell und modern. Sie trägt eine Hose und eine Bluse und - wie für omanische Frauen üblich - ein Kopftuch. Al-Hashmi, Mitte 30, Mutter von zwei Kindern, weiß ihren Mann hinter sich. Mittlerweile beschäftigt sie neun Angestellte. Die Arbeit organisiert sie so, dass die Mütter in ihrer Belegschaft flexibel sind.

Eine von ihnen habe zwei kleine Kinder, so al-Hashmi. Wenn eines plötzlich krank sei, dann könne sie einfach zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten. "Dazu habe ich ihr einen Internetzugang nach Hause legen lassen", erklärt al-Hashmi, "wann immer sie also bei der Familie bleiben muss, hat sie dort alles, was sie für die Arbeit braucht."

Asiatische Kindermädchen ermöglichen die Karriere

Familie oder Beruf - auch im Oman entscheiden sich immer mehr Frauen für beides. Was ihnen hilft, ist die Verfügbarkeit billiger Kindermädchen aus Südostasien. Was es erschwert, ist die Tatsache, dass gerade in der Stadt immer mehr Menschen nicht mehr in Groß-, sondern in Kleinfamilien leben - wie im Westen.

Auhoud al-Bulushi ist Autorin einer Studie über berufstätige Frauen im Land."Alle Frauen, mit denen ich sprach, berichteten von Schuldgefühlen, die sie als berufstätige Mütter haben", erzählt sie. "Verheiratet zu sein und zu arbeiten ist okay. Aber wenn dann ein Kind kommt, verändert das das Leben der Mütter - und hoffentlich auch das der Väter."

Männer und Frauen studieren zusammen

An der Sultan-Qaboos-Universität, der größten staatlichen Hochschule des Landes, studieren Männer und Frauen zusammen. Von Anfang an hatte die Hochschule das Ziel, dass der Anteil der Studentinnen 50 Prozent betragen soll - in etwa so wie in der Gesellschaft.

"Nach der Gründung 1986/87 war es ein Problem, die Leute davon zu überzeugen, ihre Töchter hier studieren zu lassen", erinnert sich Ali al-Bemani, der Vize-Rektor der Universität. "Wir mussten den Eltern versprechen, dass dies ein sicherer Ort für ihre Töchter ist. Heute wollen sie alle kommen. Und wenn wir nicht die 50/50-Regel hätten, hätten wir bald einen Frauenanteil von 70 Prozent. Die Rolle der Frauen im Land hat sich also geändert." Die Abiturientinnen seien so gut, dass die Uni de fakto eine Männerquote hat.

Der neue Sultan brach bewusst mit der Tradition

Vor 40 Jahren war Oman das vielleicht rückständigste Land der Region. Doch dann kam ein neuer Sultan an die Macht, Qaboos bin Said al-Said, der Oman in einem atemberaubenden Tempo modernisierte. In Bezug auf die Rolle der Frau brach der Sultan bewusst mit der Tradition.

"Der Wandel kam von oben", sagt die Unternehmerin Salma al-Hashmi, "wir sollten seiner Majestät danken, weil er einen Schwerpunkt auf die Berufstätigkeit von Frauen gelegt hat und darauf, dass Frauen in verschiedenen Bereichen vorankommen." Er sei als gutes Beispiel vorangegangen. So war Oman der erste Golf-Staat, der eine Ministerin hatte.



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