Home
Video
Nachrichten
Forum
Kontakt
 
-----Menu

::
Home
::
Marokko
::
Videothek
::
Musik
::
Radio
::
Forum
::
Nachrichten
::
Sport
::
Kultur
::
Blogsphere
::
Feedback
::
Werbung
::
impressum
::
Kontakt
 
Suchen

 

Ein Frauenfreund als König

Quelle: focus.de

Von den islamischen Ländern innerhalb der Mittelmeerunion zählt Marokko zu den engsten Partnern der EU. König Mohammed VI. leitete in den vergangenen Jahren moderate Reformen ein und stärkte die Rechte der Frauen – die sich in der Gesellschaft aber nur langsam durchsetzen.
König Mohammed VI. ist in Marokko allgegenwärtig. Sein Konterfei hängt nicht nur in offiziellen Gebäuden und Geschäften, sondern selbst in angesagten Diskos wie dem Club „555“ am Strand der nördlichen Hafenmetropole Tanger.


Bild:Der marokkanische König mit seiner Frau Lala Salma

Dann allerdings nicht einfach im goldenen Rahmen. Stattdessen werden hintereinander verschiedene Fotos des Regenten im Wechsel eingeblendet, beleuchtet vom Laserlicht der Tanzfläche. Haftet einem König hierzulande etwas Antiquiertes an, so lassen sich in Marokko Monarchie und Moderne ohne Weiteres verbinden.

Der König, der eine umfassende politische Entscheidungsgewalt innehat, ist in der Bevölkerung wohlgelitten. Auch junge, avantgardistische Musiker wie der Hip-Hopper Barry aus Casablanca schätzen ihn: „Er ist ein guter König. Er arbeitet viel für das Volk“, ist der 28-Jährige überzeugt. Leider sei er aber von Leuten umgeben, die seine Initiativen und Programme schlecht umsetzen. Und innerhalb der Regierung und Verwaltung gebe es viel Korruption.

Zunehmend ausländische Investoren

Eine Einschätzung, die Diplomaten teilen. Die Europäische Kommission macht Korruption als eines der Hauptübel Marokkos aus. Insgesamt sieht sie aber eine Entwicklung zum Positiven, wirtschaftlich wie auch politisch. Nicht zuletzt deswegen gehört der Maghrebstaat zu den Ländern, die innerhalb der Mittelmeerunion von der EU die größte finanzielle Unterstützung erhalten: Von 2007 bis 2010 sind es 654 Millionen Euro.
Auch wenn Armut und Analphabetismus vor allem auf dem Land weit verbreitet sind, stabilisiert sich das Land wirtschaftlich. In den vergangenen Jahren wuchs die Wirtschaft jeweils um vier bis fünf Prozent, verstärkt kommen ausländische Investoren ins Land, darunter den Bremer Container- und Terminalbauer Eurogate. Fortschritte werden Marokko auch bei den Menschenrechten bescheinigt. Exemplarisch dafür steht eine Versöhnungskommission, die Mohammed VI. ins Leben rief, um Unrecht während der Herrschaft seines Vaters Hassan II. dokumentieren zu lassen.
Insbesondere erwarb sich der 45-jährige König, der auch geistlicher Führer im Lande ist, einen Ruf als Frauenfreund: Zum Leidwesen konservativer Imame setzte er zentrale Reformen im Familienrecht, der Moudawana, durch. Die Rechte der Frauen wurden dadurch – zumindest de jure – wesentlich gestärkt.

Richter akzeptieren Familienrecht nur langsam

Zu den einschneidendsten Veränderungen gehört, dass Polygamie für Männer nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Während ein Mann einst weitere Frauen heiraten durften, ohne die erste Gattin davon überhaupt in Kenntnis zu setzen, braucht er heute sowohl deren Einverständnis als auch das eines Richters. Dafür muss er Gründe angeben. Richterlich akzeptiert wird beispielsweise Unfruchtbarkeit der Frau, die durch einen klinischen Test belegt werden muss. Heiratet der Mann gegen den Willen seiner ersten Frau, so ist das – anders als früher – ein Scheidungsgrund.

„Frauen durften noch vor einigen Jahren nur dann die Scheidung einreichen, wenn ihr Mann sie misshandelte oder nicht ernähren konnte“, erläutert Najia Zirari, die ein Genderprojekt in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit koordiniert und selbst Frauenrechtlerin der ersten Stunde war. „Männer konnten dagegen sogar die Ehe auflösen lassen, ohne dass die Frau davon wusste.“ Inzwischen darf die Ehefrau genauso wie der Gatte die Scheidung beantragen.

Anfeindungen auf der Straße

Verboten wurde außerdem, minderjährige Mädchen zu verheiraten. Ab dem Alter von 16 sind mit richterlicher Genehmigung Ausnahmen möglich – etwa bei Schwangerschaft oder totaler Verarmung der Familie. „Der Richter hat eine herausragende Stellung“, erklärt Zirari. Er müsse abwägen, was das Beste für das Mädchen ist. Allerdings räumt sie ein, dass sich die aktuelle Rechtsprechung insbesondere auf dem Land noch nicht durchgesetzt hat – weder in der Bevölkerung noch bei den Richtern.

Auf Widerstand stößt die aktuelle Familiengesetzgebung, die immerhin schon seit 2004 gilt, aber auch in Großstädten wie Casablanca. Das bekam auch schon Khalid Bousbih zu spüren. Er engagiert sich in seiner Freizeit in der „Association Alintilaka“. Die hauptsächlich aus Studenten bestehende Gruppe versucht, die Menschen der Vorstadt Sidi Bernoussi von der Wichtigkeit des aktuellen Familienrechts zu überzeugen. Sprüche wie „Du bist ja kein richtiger Mann“ habe er schon oft von Gleichaltrigen gehört, wenn er für die Moudawana warb, erzählt er. Und eine Mitstreiterin wurde schon mal von einer älteren Frau angefaucht, dass sie sicherlich nie einen Mann finden werde.

Zirari ist dennoch zuversichtlich. Denn bei der letzten Reform habe die Moudawana ihren unantastbaren Status verloren. „Vorher galt, dass sich das Familienrecht direkt aus dem Koran ableitet. Jetzt ist es ein Text, der geändert werden darf. Das gibt uns viel Hoffnung für die Zukunft.“

Zirari ist dennoch zuversichtlich. Denn bei der letzten Reform habe die Moudawana ihren unantastbaren Status verloren. „Vorher galt, dass sich das Familienrecht direkt aus dem Koran ableitet. Jetzt ist es ein Text, der geändert werden darf. Das gibt uns viel Hoffnung für die Zukunft.“










Kommentare

0
0
 
 

© 2009 www.atlasmarokko.de...Kontakt: info@atlas-marokko.com