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Youssef Mokhtari: "Ich bin erfolgshungrig"

Transfermarkt.de: Hallo Herr Mokhtari, wo erwische ich Sie gerade?

Youssef Mokhtari: Ich bin bei mir zu Hause in Frankfurt.

Transfermarkt.de: Ist das Katar-Abenteuer beendet?

Youssef Mokhtari: Ja, ich hatte nur einen Halbjahres-Vertrag. Mir wurde zwar eine Vertragsverlängerung angeboten, doch die habe ich abgelehnt.

Transfermarkt.de: Warum?

Youssef Mokhtari: Weil ich erfolgshungrig bin. Mit 29 Jahren stehe ich im besten Fußballeralter. Katar war eine tolle Erfahrung, ich habe in dreieinhalb Monaten neun Spiele absolviert und sieben Tore geschossen. Ich war in dieser kurzen Zeit sogar Mannschaftskapitän. Aber: Die höchste Spielklasse in Katar hat ungefähr Regionalliga-Niveau. Das fordert mich nicht.

Transfermarkt.de: Welchen Stellenwert hat der Fußball in Katar in der Öffentlichkeit?

Youssef Mokhtari: Einen steigenden. Zu Derbys kommen 5000 bis 6000 Zuschauer. Normale Spiele besuchen so 500 bis 1000. Das klingt nicht nach viel, allerdings muss man berücksichtigen, dass das Land nur etwa 800.000 Einwohner hat, davon 80 Prozent Ausländer. Zu dem kleinen Boom tragen natürlich vor allem die vielen internationalen Spieler bei, die in den vergangenen Jahren geholt wurden.

Transfermarkt.de: Wie trainiert man dort, wann finden die Spiele statt? Es ist doch brutal heiß in Katar.

Youssef Mokhtari: Die Spiele werden alle abends angepfiffen. Du kannst auch nur am Abend trainieren, vorher ist das bei 40 Grad und mehr unmöglich. Das Training selbst ist hochprofessionell. Alles wird mit modernster Technik gemessen, und der Trainer Paulo Aurelio - Ex Nationaltrainer von Peru - orientiert sich am Stil eines Mourinho.

Transfermarkt.de: Gerüchten zufolge soll man in Katar ganz gut verdienen ...

Youssef Mokhtari: Und wie! Was du dort in einem Jahr verdienst, kriegst du in drei Jahren in der Bundesliga nicht. Deshalb lassen sich ja auch viele Stars nach Katar locken. Frank de Boer, der auch dort gespielt hat, hat mir gesagt: "Mensch Moki, du bist bekloppt, wenn du den angebotenen Zwei-Jahres-Vertrag nicht unterschreibst. Du musst an deine Zukunft denken." Wohl nur ungefähr 30 Spieler in der Bundesliga hätten so viel verdient wie ich. Trotzdem habe ich abgelehnt. Ich bin nicht geil aufs Geld. Ich will etwas bewegen, suche eine Herausforderung.

Transfermarkt.de: Aber es war doch mit Sicherheit das Geld, weshalb Sie in der Winterpause Hals über Kopf den MSV Duisburg verlassen haben, oder nicht? Für die Fans sah das aus wie eine Flucht...

Youssef Mokhtari: Das war es nicht. Ich wäre sehr gerne in Duisburg geblieben. Leider hat man mir meinen Wunsch nicht erfüllt, den Vertrag, der in diesem Sommer ausgelaufen wäre, vorzeitig zu verlängern. Das war eine große Enttäuschung für mich. Ich hatte mich monatelang fit spritzen lassen, damit ich dem MSV im Aufstiegskampf helfen kann. Ich hatte in der Zweitliga-Rückrunde oft unter Schmerzen gespielt, aber mich erst im Sommer nach dem Aufstieg an der Bandscheibe operieren lassen. Leider hat der Verein das nicht honoriert.

Transfermarkt.de: Wie kam es zum Wechsel nach Katar?

Youssef Mokhtari: Der Verein Al-Rayyan hatte mich schon mehrmals kontaktiert. Da das Signal zu einer Vertragsverlängerung bis zum Winter ausblieb, gab der Präsident mir grünes Licht für einen Wechsel und entschied sich, das Angebot aus Katar zu akzeptieren.

Transfermarkt.de: Was er gern getan hat, oder?

Youssef Mokhtari: Ich denke schon. Es gab eine ordentliche Ablösesumme von 350.000 Euro, dazu hat er mein Gehalt eingespart. Und einen Spieler, der sich für das Team, auch in Prämienverhandlungen, hundertprozentig einsetzt, ist er auch losgeworden.

Transfermarkt.de: In der Tat, Ihnen eilt das Image voraus, unbequem zu sein...

Youssef Mokhtari: Es stimmt aber nicht. Ich war im Spielerrat und verhalte mich immer im Sinne der Mannschaft und trete auch für das Team ein. Eine Führungspersönlichkeit auf den Platz muss auch außerhalb des Spielfeldes die Interessen der Mannschaft gegenüber dem Verein vertreten. Nichts anderes habe ich gemacht. Und in meiner nun zehnjährigen Profi-Karriere haben beide Seiten - Mitspieler und Vereine - immer davon profitiert. Zumindest äußern sich viele meiner ehemaligen Trainer immer noch sehr positiv über mich.

Transfermarkt.de: Mannschaftskapitän Ivo Grlic hatte in einem Fernsehinterview bei einem Hallenturnier im Winter davon gesprochen, dass Sie die Mannschaft durch Ihren Wechsel im Stich gelassen hätten.

Youssef Mokhtari: Das war nicht akzeptabel. Ich habe mich nie über meine Mitspieler in der Öffentlichkeit negativ geäußert. Ich habe ihm deshalb anschließend eine SMS geschickt und ihm das auch genau so gesagt. Ich denke mit zeitlichem Abstand, dass auch viel Enttäuschung über den Verlust eines guten Mitspielers in der damaligen Situation dabei gewesen ist. Immerhin gab es noch die Chance auf den Klassenerhalt in der Bundesliga. Aber wir haben dies inzwischen ausgeräumt, und für mich ist die Sache erledigt. Ich bin kein nachtragender Mensch.

Transfermarkt.de: Auch Trainer Rudi Bommer bemängelte, dass Sie ihn in den Wechsel mit Al Rayyan nicht eingeweiht haben.

Youssef Mokhtari: Das ist längst geklärt. Rudi wusste schon seit Sommer, dass ich meinen Vertrag verlängern wollte und langfristige Ziele mit dem MSV hatte. Mein Berater reiste bis nach Österreich, um Gespräche zu führen. Rudi hatte auch gehofft, dass ich langfristig bleiben kann. Aber es gab im Winter kein Signal. Er dachte damals, dass mein Berater mich beeinflussen wollte zu gehen. Aber er kennt die Wahrheit, ich hatte ihn mehrmals vor dem Transfer gesprochen. Einen Tag vor dem Wechsel hatte ich dann vergeblich versucht, ihn zu erreichen. Daher kam das Missverständnis. Ich habe zu Bommer immer ein gutes Verhältnis gehabt und werde es immer haben. Er hat mich entdeckt und gefördert, wir waren zusammen in Burghausen und Duisburg erfolgreich. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Transfermarkt.de: Der Trainer steht bei den Duisburger Fans im Moment nicht sehr hoch im Kurs. Können Sie das verstehen?

Youssef Mokhtari: Nein, Bommer ist ein Top-Fußballfachmann. Ich kann das beurteilen, ich habe lange unter ihm gespielt. Was ich menschlich an ihm schätze: Er gibt jedem Spieler, der es verdient, mehr als nur eine Chance. Vorausgesetzt, der Spieler denkt ans Team. Wer aber nur an sich selbst denkt, hat es bei ihm schwer.

Transfermarkt.de: Warum ist Ihrer Meinung nach der MSV abgestiegen?

Youssef Mokhtari: Es gab viele kleine Faktoren wie zum Beispiel die Verpflichtung von Ailton. Diese konnte sportlich nicht funktionieren. Ailtons Verpflichtung war werbewirksam - mehr nicht. Es kam zu wenig Torgefahr aus dem Mittelfeld, außer Grlic hat da keiner öfter getroffen. Und es hat der Leader auf dem Platz gefehlt, der die Mitspieler antreibt, wenn es eng wird. Deshalb wurden einige Spiele kurz vor Schluss abgegeben. Rechnest du die Punkte zusammen, die in den letzten Minuten verschenkt wurden, hätte es zum Klassenerhalt gereicht. Vor allem fehlt uns oft auch das nötige Glück. Das sind meiner Meinung nach die Hauptgründe.

Transfermarkt.de: Werden Sie eigentlich noch oft auf die vergebene Chance im Spiel des 1.FC Köln gegen Schalke 04 angesprochen?

Youssef Mokhtari: Natürlich. Und ich sage immer das gleiche.

Transfermarkt.de: Was denn?

Youssef Mokhtari: Dass ich mich voll auf den Torwart konzentriert und Podolski und Scherz in der Mitte nicht gesehen habe. Die Medien in Köln und Teile des Vereins hatten in mir dann aber den Schuldigen für die Misere gefunden. Es lag damals einiges im Argen in Köln. Wobei Mokhtari das geringste Problem war.

Transfermarkt.de: Worauf spielen Sie an?

Youssef Mokhtari: Es kann nie gut gehen, wenn zum Beispiel ein Spieler (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist Podolski) mehr Macht besitzt als der Trainer Rapolder.

Transfermarkt.de: Trotzdem wurden Sie wegen dieser Szene, die das 3:1 und den wahrscheinlichen Sieg bedeutet hätte, ausgewechselt. Schalke hat dann noch das 2:2 erzielt. Sie wurden ein paar Wochen später zusammen mit anderen Spielern sogar ganz ausgemustert. Ärgert Sie das noch?

Youssef Mokhtari: Ja, weil ich ein Teamplayer bin. Ich habe beim 1.FC Köln in 13 Spielen sechs Tore vorbereitet. In Duisburg habe ich neben eigenen 13 Toren in 39 Spielen elf weitere vorgelegt - spielt so ein Egoist?!

Transfermarkt.de: War dieses Spiel ein Karriereknick für Sie?

Youssef Mokhtari: Kurzzeitig bestimmt. Hätte ich die Mitspieler gesehen oder den Ball im Tor versenkt, hätten wir dieses Spiel gewonnen, und ich würde wahrscheinlich heute immer noch beim 1.FC Köln spielen. Allerdings muss ich sagen: Ohne die Verbannung in Köln hätte ich die schöne Zeit beim MSV nicht erlebt. Ich habe mich in Duisburg sehr wohl gefühlt. Ich bin auch heute immer noch sehr stolz darauf, dass die MSV-Fans mich zum besten Spieler der Aufstiegssaison gewählt haben.

Transfermarkt.de: Was waren bisher die Höhepunkte Ihrer Karriere?

Youssef Mokhtari: Da fallen mir spontan drei ein: das Finale im Afrika Cup, das 2:2 mit der marokkanischen Nationalmannschaft in Paris gegen Frankreich vor 83.000 Zuschauern, wobei ich den Ausgleich erzielt habe, und der Bundesliga-Aufstieg mit dem MSV.

Transfermarkt.de: Wie hält sich eigentlich ein Fußballer fit, der gerade keinen Verein hat?

Youssef Mokhtari: Grundsätzlich ist die Saison noch jung, soviel Vorbereitungszeit ist noch nicht vergangen. Ich trainiere jeden Tag eineinhalb Stunden. Ich laufe 40 bis 45 Minuten für die Ausdauer, mache zirka 30 Minuten Stabilisationstraining, schwimme ab und zu und gehe dreimal in der Woche im Fitnessstudio an die Geräte.

Transfermarkt.de: Könnten Sie nicht einfach bei einer Mannschaft in der Nähe anfragen, ob Sie dort mittrainieren können, bis Sie wieder unter Vertrag stehen?

Youssef Mokhtari: Doch, das ginge schon. Aber die Teams bereiten sich alle auf die neue Saison vor, da würde ich stören. Außerdem will ich keine sinnlosen Gerüchte streuen: Wenn ich zum Beispiel bei der Eintracht mittrainieren würde, hieße es doch gleich, ich ginge dorthin. Das würde von außen nur unnötige Unruhe in die Mannschaft bringen.

Transfermarkt.de: Welche Anforderungen stellen Sie an Ihren künftigen Verein?

Youssef Mokhtari: Am wichtigsten ist mir, dass man mich und meine Leistung schätzt. Der Verein sollte ambitioniert sein und klare Ziele haben. Diese zu erreichen - dabei würde ich gerne helfen. Geld spielt für mich keine große Rolle. Wäre das so, hätte ich in Katar bleiben müssen.

Transfermarkt.de: Gibt es denn Angebote?

Youssef Mokhtari: Ja, im Moment gibt es zwei konkrete Angebote aus dem Ausland und zwei Anfragen aus der Bundesliga. Mein Ziel ist die Bundesliga, und ich möchte die Gespräche in Ruhe abwarten. Ich bin im besten Fußballeralter und muss die richtige Entscheidung treffen. Da braucht man Geduld. Schließlich muss alles passen. Ich bin das erste Mal in meiner Karriere ablösefrei und möchte auch eine Entscheidung mit dem Herzen treffen.

Transfermarkt.de: Können Sie sich auch eine Rückkehr zum MSV vorstellen?

Youssef Mokhtari: Natürlich. Ich habe noch meine Wohnung in der Nähe der Arena. Walter Hellmich hat bei meiner Verabschiedung gesagt: "Man sieht sich immer zweimal im Leben."

Ich würde den MSV sogar vielen Bundesligavereinen vorziehen und gerne mithelfen, dass die Mannschaft wieder aufsteigt. Denn der MSV gehört mit diesem Stadion und den Fans in die erste Liga.

Transfermarkt.de: Herr Mokhtari, alles Gute und vielen Dank für das Gespräch.

 

Quelle: Transfermarkt.de
Mittwoch, 24. Juli 2008

Kommentare:
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abdel
aber der yassin hat garnicht so unrecht schließlich ist in der Gruppe Kamerun,Togo und der erstplatzierte Gabun.Und ein neuer Trainer ist auch da,ich kenne Mokhtari nicht so direkt aber mein Arabischlehrer kennt ihn und seine Eltern.Er hat mir viel über ihn erzählt und ich war immer mehr ein Mokhtari fan,könntest du mir wenigstens deine e-mail geben?
Naual ffm

@ yassin

ich würde mal sagen das , dass mit der e-mail adresse übertrieben ist ne =) nicht böse gemeint aber halllooooo das ist mokhtari und nicht irgendeiner ......vlt hattest du ja dein glück gehabt und hast die e-mail adresse bekommen ;-)

Mokhtari ich bin dein größter Fan ;-) bussiii

yassin
Komm wieder zurück nach marokko bitte wir brauchen dich für die wm 2010
 maroca
ich weiss warum.
Weil der trainer von marokko ihn nicht nominiert hat
yassin
salam alaikum youssef ich heiße als nachname auch mokhtari kannst du mir pls deine email adresse geben oder kannst du mir hier bitte die frage beantworten wiso bist du von marokko weg gegangen?

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