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König leitet Reformen ein

Der Fall könnte das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Der marokkanische Religionsgelehrte Mohammed Maghraoui hatte es in einem islamischen Rechtsgutachten (Fatwa) für zulässig erklärt, dass muslimische Männer neunjährige Mädchen heiraten.

"Ehen mit Neunjährigen sind oft ertragreicher als solche mit 20-Jährigen", stellte der radikale Theologe fest. Damit löste er in Marokko einen Skandal aus. Die Regierung verurteilte die Fatwa. Sie wies darauf hin, dass nach marokkanischem Gesetz Frauen erst mit 18 Jahren heiraten dürfen, sie ließ die Internetseite des Islamisten sperren und mehrere Koranschulen schließen.
 
Wenige Tage später kündigte König Mohammed VI. ein Paket von religiösen Reformen an, das dem Vormarsch des radikalen Islamismus in dem nordafrikanischen Land Einhalt gebieten soll. Der Islam in Marokko müsse seinen toleranten Charakter bewahren, forderte der Monarch. Er ist nicht nur Staatschef, sondern als "Herrscher der Gläubigen" auch das religiöse Oberhaupt des Landes.
  Dezentralisierung im Zentrum
 
Im Mittelpunkt der Reform steht eine Dezentralisierung. Neben dem Obersten Rat der Oulemas (Religionsgelehrte), der höchsten religiösen Instanz des Landes, sollen auch die Regionen und Provinzen solche Gremien erhalten. Die drei Millionen in Europa lebenden Marokkaner sollen eine eigene religiöse Behörde bekommen. Mit der Dezentralisierung will der König eine größere Nähe zwischen den offiziellen religiösen Stellen und den Gläubigen herstellen. Zugleich sollen die neuen Räte die Kontrolle über die Imame (Vorbeter) in den mehr als 40.000 Moscheen im ganzen Land verbessern und verhindern, dass dort der radikale Islamismus weiter um sich greift.
 
Die Marokkaner gelten als sehr religiös und in Glaubensfragen als eher konservativ. Mohammed VI. betrachtet die religiöse Tradition als einen Teil der marokkanischen Identität, will sie aber mit einem modernen und weltoffenen Staat in Einklang bringen. Immerhin ist Marokko einer der engsten Verbündeten des Westens in der arabischen Welt. In den vergangenen Jahren verzeichneten islamistische Parteien und Organisationen jedoch einen starken Zulauf. In den Jahren von 2003 bis 2007 wurden 16 islamistische Zellen zerschlagen.
 
Strengere Kontrolle der Moscheen
 
Allerdings blieben Marokko - anders als dem Nachbarland Algerien - größere Wellen von Terroranschlägen bisher erspart. Eine Ausnahme war der Selbstmordanschlag 2003 in Casablanca mit 45 Toten. Vor dem Hintergrund dieses Attentats leitete der König 2004 eine erste Reform ein. Er unterstellte die Moscheen einer strengeren Kontrolle durch das Ministerium für religiöse Angelegenheiten. Anstelle der "wilden Gotteshäuser" in den Armenvierteln von Casablanca, wie sie von den Attentätern frequentiert worden waren, ließ er neue "offizielle" Moscheen bauen.
Sorgen bereitet den Behörden allerdings noch die über Internet verbreitete Propaganda der Islamisten. Die Radikalen arbeiteten ähnlich wie Sektenprediger, sagte der Islam-Experte Rachid Benzine der französischen Zeitung "Le Monde". "Unter diesen Umständen ist es nicht sicher, ob die Reformen die gewünschte Wirkung zeigen."

 

Quelle: n-tv.de
11. Oktober 2008

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