|
haben inzwischen den sozialen Aufstieg
geschafft.
Nun gibt es für sie auch ein maghrebinische Kulturzentrum in Brüssel.
In den Neunzigerjahren war die Diskothek "Who's Who's Land" in der Brüsseler Altstadt ein Begriff. Dort mixten die besten Discjockeys. Dort ließen Muskelprotze keinen Gast mit dunkler Hautfarbe rein. Das bewirkte letztlich die Schließung des Tanz-Tempels. Jetzt nimmt in dem weitläufigen Gebäude das maghrebinische Kulturzentrum "Espace Magh" die Arbeit auf. Stolz sagte Belgiens frankophone Kulturministerin Fadila Laanan, selber Kind marokkanischer Zuwanderer, bei der Einweihung:
"Ich bin hocherfreut, dass eine Minderheit diese Stätte der Kultur, der Künste, des Denkens, des Wissens geschaffen hat. Das ist ein starker symbolischer Akt, der sowohl politisch als auch gesellschaftlich seine Wirkung nicht verfehlt. Ich habe den Eindruck, dass hiermit eine Entwicklungsphase zu Ende geht."
Immer wieder fiel der Ausdruck "laizistisch", um die Grundhaltung des Hauses zu umschreiben. Direktor Sam Touzani, ein kritischer Komiker, führt dazu näher aus:
"Der Laizismus ist sozusagen meine einzige Heimat. Zumal da Belgier marokkanischer Herkunft automatisch als Muslime eingestuft werden. Ich habe nichts gegen die Moscheen, Synagogen und Kirchen, aber mir sind a-dogmatische, offene Kulturtempel lieber. Denn nur dort kommen alle Ideen zum Zuge, nur dort kommt es wirklich zu Dialog und Austausch."
Bereits der Name "Espace Magh" klingt programmatisch. "Espace" bedeutet Raum und Weite, die Abkürzung "Magh" - für maghrebinisch - verspricht Modernität und Schwung. Die lichtdurchflutete, hohe Eingangshalle ist in Himmelblau und Ocker gehalten. Auf einer Wand prangt ein langes, kalligraphiertes Fries mit Artikel eins der Menschenrechtscharta: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen."
Im mausgrau und rot gehaltenen Saal werden Musik, Tanz, Theater, Film und Literaturabende auf dem Programm stehen. Im Vordergrund stehen Belgier mit maghrebinischen Wurzeln, die oft, trotz jahrelanger Arbeit, nur Eingeweihte kennen. Abid Bahri gehört dazu, ein Bildender Künstler, der von seinem Großvater das Spiel auf der Oud, der arabischen Laute, lernte. Inzwischen komponiert er Werke für Oud und Schlagzeug oder Oud und Streichquartett.
Im "Espace Magh" auftreten werden allerdings auch Kulturschaffende aus den Maghrebländern. Sie können sogar in zwei Appartements im Haus untergebracht werden:
"Wir werden uns insbesondere um die etwas subversiven Künstler kümmern, die den Regimes nicht gefallen. Denn man darf nicht vergessen, dass Marokko, Algerien oder Tunesien höchstens Demokraturen sind. Die freie Meinungsäußerung kann der Demokratie nur zugute kommen."
Eine dritte Gruppe bilden "verwandte" Künstler, wie Franzosen maghrebinischer Herkunft, sephardische Juden, Andaluser. Aber auch eine Marlène Dorcéna, die aus Haiti stammt, in Brüssel lebt und mit Kongolesen und Belgiern marokkanischer Herkunft zusammenarbeitet. Auf Pidgin-Französisch klagt sie die Gefahren der populären Pfingstkirchen an.
Gezielt gefördert werden junge Talente. Für die Workshops oder Meisterkurse hat Sam Touzani vorgegeben:
"Uns geht es um Qualität. Wir sind kein Luxus-Jugendzentrum, sondern ein Kulturhaus. Deshalb haben wir auch sehr professionelle Mitarbeiter eingestellt, die sich bestens in Szenographie, Inszenierung, Programmgestaltung, Textschreiben auskennen."
Ebenso breiten Raum wie die kreative Tätigkeit nimmt die pädagogische Arbeit ein. Workshops, eine Bibliothek und eine Mediathek vermitteln Wissen über die maghrebinischen Kulturen, über die Einwanderung von Marokkanern, Algeriern und Tunesiern nach Belgien - und über ihre Emanzipation zu gleichberechtigten, respektierten Mitbürgern.
Quelle: dradio.de
Weitere Artikel:
|