schriftliche Literatur in französischer und arabischer Sprache sowie eine umfangreiche mündliche Literatur in arabischen und berberischen Dialekten.
Die Sprachwahl wird heftig und kontrovers diskutiert. So wird beispielsweise eine Entscheidung für das Französische oder das Arabische im kolonialen oder postkolonialen Kontext Marokkos häufig mit politischen und kulturellen Optionen verbunden. Während der Kolonialherrschaft Frankreichs ging es dabei um Fragen der politischen Unabhängigkeit, nach Erlangen der Unabhängigkeit um die Suche nach kultureller Authentizität.
In der Forschung werden verschiedensprachige Literaturen Marokkos oder auch anderer Maghrebländer sehr selten zusammen untersucht. Dieses Projekt führt zwei dieser Literaturen, die besonders stark in einem ‚interkulturellen’ Spannungsfeld stehen - die neuere marokkanische Literatur arabischer und französischer Sprache - anhand der Analyse von ‚Natur’ in erzählenden Texten zusammen. Durch eine narratologische und intertextuelle Analyse wird gezeigt, was Bedeutung und Funktion von ‚Natur’ in ausgewählten Texten ist, auf welche Motive, Topoi oder Ästhetisierungstraditionen zurückgegriffen und auf welche Diskurse verwiesen wird.
Das Projekt geht von einem anthropologisch-semiotischen Kulturbegriff aus und versteht den Begriff ‚Natur’ als kulturelles Konstrukt. Dessen Bedeutung und Verständnis erschliesst sich nur innerhalb verschiedener historischer und kultureller Kontexte. In diesem theoretischen Rahmen werden literarische Texte als kulturelle Ausdrucksformen verstanden, die zur Selbstdeutung und Sinnstiftung einer Kultur beitragen.
Das Verständnis des Begriffs ‚Natur’ berührt zentrale Fragen wie beispielsweise des Weltbildes und der Ästhetik. So kann eine Analyse der ‚erzählten Natur’ die in arabischer oder französischer Sprache verfassten Texte in ihren - gegebenenfalls - unterschiedlichen Poetiken und literarischen und kulturellen Bezügen zeigen, und sie kann darlegen, wie die Texte an der Konstruktion von ‚Natur’ (und dadurch an der Verhandlung von ‚Kultur’) teilhaben. Damit kann das Projekt nicht nur die marokkanische Literatur in einer neuen Perspektive beschreiben. Es leistet auch einen Beitrag zu einer kulturellen Anthropologie der interkulturellen Gesellschaften des Maghreb - und grundsätzlich zu einem besseren Verständnis interkultureller Beziehungen. Schliesslich werden kulturelle Informationen zum Umweltverständnis im Mittelmeerraum vermittelt.
Geplant ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Arabisten und Romanisten in Marokko und Frankreich.
Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert.
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