Sie kaufte sich das Amulett bevor sie nach Frankreich reiste, wo sie ein Jahr studierte. Und weil sie es beschützte, hat sie es behalten, sagt sie: «Das sind ganz diffuse Ängste aber wenn ich irgendwelche Prüfungen habe, professionell oder so, dann beruhigt es mich und ich kann mich daran festhalten. Das ist Aberglaube aber gleichzeitig auch etwas in Richtung Gott gerichtet, aber nicht zum Islam hin, denn das gibt es dort nicht, das ist einfach meine Art und Weise.»
Hellseher als Helfer in BeziehungsproblemenNabil ist Psychologe und Psychotherapeut. Er ist 36 Jahre alt und nicht abergläubisch: Als Psychologe hat er es in Marokko mit sehr vielen abergläubischen Menschen zu tun. Seiner Meinung nach gehört es zur Kultur: «Ich glaube das ist eine kulturelle Sache, Ich denke zum Beispiel an eine Person, die sehr rational agiert, zumindest was die Sprache angeht, aber plötzlich wenn Ängste aufkommen, ausgelöst durch Beziehungsprobleme hat sie sich sofort auf etwas Irrationales gestützt. Magie. Wie könnte sie sich verhalten um magische Wirkungen auszulösen? Das hat sie beschäftigt: Eine magische Lösung zu finden. Und sie ist zu einer Voyante gelaufen, einer Hellseherin und da hat sie eine Kombination von Mittelchen genommen, um diese Person zurückzugewinnen.»
Marokko ist nicht nur ein religöses Land, sondern auch ein Land voller abergläubischer Rituale und Traditionen. Es gibt hier zum Beispiel Marabouts. Das sind schon längst verstorbene Heilige, die mit dem Islam aber gar nichts zu tun haben. Ihre Gräber werden aufgesucht, wo sich Wahrsager und Hellseher aufhalten. Marokko ist voll von diesen alten Ritualen. Der Psychologe Nabil nennt ein Beispiel: «Es gibt Rituale die mit der Religion nichts zu tun haben in Marokko: einem Kalb die Kehle durchzuschneiden oder einem Hahn, wenn du z.B. in ein neues Haus kommst. Das wird gemacht.»
Tiere spielen eine wichtige Rolle
Manche Menschen auf dem Land opfern auch ein Schaf, wenn ein Kind geboren wird, erst dann wird dem Kind einen Namen gegeben. Nabil beschreibt: «Wir spritzen Milch in die Ecken des Hauses. In alle Ecken des Haus, tust du einen Tropfen Milch, aber das ist nicht religiös, und gläubige Menschen werden sagen, das ist gegen die Religion aber es ist altertümlich - von unseren Vorfahren noch. Es gibt Familien, die an solchen Praktiken festhalten, aber die werden nicht gerne gesehen.»
Besonders abergläubisch sind Marokkaner was die Tiere angeht. Nabil erzählt: «Da gibt es viel. Das geht in Richtung Hexerei. Es gibt Tiere die bei der Hexerei wichtig sind. Eidechsen z.B., Eulen, die werden in Marokko nicht gerne gesehen. Im marokkanischen Aberglauben ist die Eule wichtig, oder auch der Pfau, und auch die Katze, fügt Nabil hinzu, ja genau die Katze auch. Aber ganz schlimm sind die Eule und der Pfau. Meine Grossmutter zum Beispiel väterlicherseits, die konnte es nicht ertragen einen Pfau zu sehen, das bringt Unglück.»
Zahlen bringen kein UnglückWas dagegen nicht Unglück bringt sind bestimmte Zahlen. Die 13 oder die 7 haben in Marokko keine Zauberkraft. «Zahlen spielen bei uns keine Rolle», versichert der Psychologe.
Also kann man auch an einem Freitag, dem 13. ganz beruhigt sein, denn nach marokkanischer Ansicht bringt der gar kein Unglück. Wer das doch glaubt, kann es ja wie Yasmina machen und sich zusätzlich zu einem Amulett auch noch ein Kettchen anhängen. Yasmina ist von der Wirkung überzeugt: «Dieses Amulett z.B.. Das letzte Mal hatte ich eine Prüfung zu bestehen, und meine Nichte zeigte mir noch ein kleines Kettchen - die bringen Glück sagte sie, da stand «strength», «Stärke» drauf und ich sagte: 'Das Kettchen will ich haben', und seitdem trage ich es und immer wenn ich eine Rede halten muss, nehme ich das Amulett und das Kettchen und zusammen ergibt das den Glauben und die Stärke, voila. Aber ich weiss nicht was es bringt.» |
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