verrichten. Entsprechend gehören sie auch heute noch zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen des Landes.
Ungewöhnlich ist das Dorf Douar Laabid - arabisch für Sklavendorf - nur sechs Kilometer von Zagora in Südmarokko entfernt: der einzige Ort Marokkos, in dem ausschliesslich Haratin in einer geschlossenen Gemeinde zusammenleben.
Scheich Zaid, einer der Bewohner des Ortes, stammt aus dem Sudan. Er ist der Scheich der Haratin und gleichzeitig der Chef einer Gnawa-Musik-Gruppe. Seine Kultur und seine Tradition pflegt er voller Stolz und Selbstbewusstsein.
Auch Lalla Fatma, wie Scheich Zaid, kennt in Zagora jeder. Nicht nur die Haratin suchen sie wegen ihrer Heilkünste auf. Die Siebzigjährige ist berühmt, denn sie wendet die uralte Naturheilkunst der Haratin an - mit Erfolg. Lalla Fatma hat sich auf Augenkrankheiten konzentriert: Mit ihrer Zunge entfernt sie unter anderem kleine Steine und Glassplitter aus den Augen kranker Patienten.
In Marrakech verdienen die Haratin hauptsächlich als Musiker, Magier und Heiler ihren Lebensunterhalt. Einige von ihnen gehören einer Bruderschaft an, die ein animistisch-afrikanisches Erbe mit dem Islam verbindet: Sie geben sich der Beschwörung und Austreibung von Djins, bösen Geistern, hin. Mit Trommeln und grossen eisernen Kastagnetten führen sie dann einen stampfenden und rollenden Tanz auf. Gnawa nennt man diesen bekannten Haratin-Stamm, abgeleitet von Guinea, denn ihre Vorfahren waren Sklaven von der Goldküste.
Die Vorfahren der jetzigen Musiker waren die ersten, die vor ca. 70 Jahren erstmals auf dem berühmten Platz Jemaa Fna Gnawa-Musik gespielt hatten. Inzwischen ist die Gruppe keine reine Haratin-Gruppe mehr. Durch Eheschliessungen zwischen Haratins und Berbern hat eine starke Vermischung der Völker stattgefunden, die sich auch in Hautfarbe und Physiognomie der einzelnen Familienmitglieder wiederspiegelt. Heiraten zwischen Haratin, Berbern und Arabern sind seit langem erlaubt.
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