Was ist nur geschehen? Es ist so, als hätte jemand einen grünen Schalter umgelegt im Königreich. Und am Schalter sitzt in Marokko traditionell nur einer: der König selbst. Miriam Bensalah Chaqroun, Kommissarin des Earth Days in Marokko, erklärt: “Es ist nur verständlich, dass Marokko für den Earth Day ausgewählt wurde, weil seine Majestät König Mohammed VI. die Umwelt zu einer seiner Prioritäten gemacht hat. Rabat kann mit seinen Parks und Gärten zu Recht grüne Stadt genannt werden. Außerdem haben wir bald eine Trambahn und mehr als 200 Busse, die Umweltnormen erfüllen.”
Grünes Bewusstsein steht noch am Anfang
Es tut sich was im Königreich. Die ganze Woche über finden Veranstaltungen, Workshops, Konzerte statt - um aufzurütteln in Sachen Umweltschutz. Der steht in Marokko noch ganz am Anfang: Viele Flüsse sind stark belastet. Mülltrennung gibt es ebenso wenig wie Recycling oder Kläranlagen und die Luftqualität in Großstädten wie Casablanca wird immer schlechter. Strenge Gesetze fehlen noch, Umweltsünder müssen kaum mit Strafen rechnen, auch wegen der alltäglichen Korruption.
Der Leidensdruck bei den Marokkanern sei mittlerweile groß, der Staat müsse handeln, sagt Dieter Uh von der deutschen Entwicklungshilfeorganisation GTZ in Marokko: “Das Ganze ist natürlich eine große Sensibilisierungskampagne. Marokko ist auf dem Weg, sich zu modernisieren, sich zu industrialisieren. Und zumindest die Elite des Landes hat verstanden, dass es möglich ist, Umweltschutz zum Geschäft zu machen, dass das auch ein Industriezweig sein kann.”
Investoren ins Land locken
So zielt die Umweltinitiative nicht nur auf die eigenen Bürger, sondern auch auf das Ausland. Es geht darum, Investoren und Know-How ins Land zu locken und dringend benötigte Jobs zu schaffen. Said Mouline, Leiter des staatlichen Zentrums für die Entwicklung von Erneuerbaren Energien sagt, Marokko sei auf dem richtigen Weg. “Bis wir umfassende Umweltgesetze haben, wird einige Zeit ins Land gehen. Wir müssen deswegen schon jetzt mit der Arbeit beginnen. Die Abfälle sind bereits deutlich weniger geworden”, erklärt Mouline. “Wir unternehmen große Anstrengungen, besonders was die erneuerbaren Energien angeht. Für ein Land, das zehn Mal weniger CO2 ausstößt als eines in Europa, sind wir jedenfalls vorbildlich.”
Strom aus Marokkos Wüste in deutsche Steckdosen
Tatsächlich setzt Marokko für die Zukunft auf Wind- und Solarstrom. Damit wird es auch für deutsche Unternehmen immer interessanter. Marokko gilt als einer der wahrscheinlichsten Partner für das Mega-Projekt Desertec. Jene Initiative, die plant, schon bald Solarstrom aus der Sahara auch in deutsche Steckdosen zu bringen.
Der Earth Day soll nun helfen, auch bei der Bevölkerung Umweltbewusstsein zu wecken - und nicht nur bei den Experten. Damit der Traum vom grünen Marokko nicht ebenso schnell wieder verfliegt, wie er gekommen ist. Und das Grün nicht wieder dem Beton weicht. |
|
|