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Formel 1 in Bahrain: Nach dem Hype

Quelle: derstandard.a
Montag: 15 . 03 . 2010

Die Wiederkehr des Michael Schumacher verlief unauffällig. Er müsse seinen Stil justieren, meinte der Rekordchamp - Im Mittelpunkt standen schnell andere.

Nahbar wie selten hatte er sich in den vergangenen Tagen im Fahrerlager gegeben - wohlwissend, dass die Siegesserien der Vergangenheit nicht wiederholbar sein werden. Rekordweltmeister Michael Schumacher fuhr am Sonntag bei seinem mit Spannung erwarteten Comeback in der Formel 1 in Bahrain auf Platz sechs, und war damit nicht einmal unzufrieden. 1.239 Tage oder mehr als drei Jahre hatte der Deutsche kein Rennen mehr bestritten.

Schumacher war wie in seinem allerersten Grand Prix 1991 als Siebenter ins Rennen gegangen, drehte dann unspektakulär hinter seinem fünftplatzierten Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg seine Runden. Mehr war für die Silberpfeile nicht drin, der Rückstand auf Ferrari und Red Bull vermochte den 91-fachen Grand-Prix-Sieger aber nicht zu entmutigen. "Ich weiß, wie schnell sich das Blatt wenden kann", versicherte der 41-Jährige.


Bild:

Die Weiterentwicklung im Saisonverlauf werde entscheidend sein, er selbst müsse erst seinen Speed auf einer schnellen Runde finden. Dafür bedarf es einiger Rennen. "Grundsätzlich habe ich mich aber sehr wohl gefühlt", sagte Schumacher. Lediglich seinen Fahrstil müsse er noch an die neuen Gegebenheiten - etwa die deutlich schmäleren Vorderreifen - anpassen. "Ich muss das Auto noch so um die Ecke kriegen, wie ich mir das vorstelle."

Nur nichts falsch machen

Das neue Reglement verlange es zudem, sehr reifenschonend zu fahren. Daher war auch das Rennen eher eine Prozession denn ein Kampf auf Biegen und Brechen. Selbst beim Rückkehrer war schnell Routine eingekehrt. "Der Anfang war der interessanteste Part. Dann hieß es eigentlich nur, keine Fehler zu machen, das Auto nach Hause zu bringen und nicht zu dicht auf den Vordermann aufzufahren", erklärte Schumacher die konservative Strategie.

Die 35 Grad im Schatten setzten dem Rekordchampion jedenfalls nicht zu. Dabei hatte er vor Rennbeginn mit seinen Fahrerkollegen in der prallen Sonne für Gruppenbilder posieren müssen. "Es war nicht besonders anstrengend. Das liegt auch daran, dass die Reifen es nicht zulassen, schnell zu fahren", meinte Schumacher. Schlanker denn je hatte er sich in der Wüste von Sakhir der Öffentlichkeit präsentiert - an seiner Seite seine Frau Corinna, um ihre Unterstützung zu demonstrieren.

Italien frohlockt

Nach dem Saisonauftakt standen dann Ferrari und dessen neuer Liebling Fernando Alonso im Mittelpunkt. Lediglich Red Bull hatte den Italienern  Paroli geboten, ein Zweikampf um den Titel könnte sich angekündigt haben.  Italien feierte jedenfalls die Wiederauferstehung der "Roten Göttin", nachdem Ferrari im Vorjahr nur einen einzigen Sieg eingefahren hatte. Alonso wurde als Retter gefeiert, Rückkehrer Felipe Massa als sentimentaler Held. "Das war der Start in eine neue Ferrari-Ära", prophezeite die "Gazzetta dello Sport" am Montag. "Alonso und Massa, es ist zum verrückt werden."

Den Doppelsieg hatte Ferrari allerdings Sebastian Vettels technischem Gebrechen (defekte Zündkerze) zu verdanken. Bis 20 Runden vor Schluss hatte der Pole-Position-Mann das Renngeschehen kontrolliert, schlussendlich reichte es zu Platz vier. "Diese zwölf Punkte könnten noch wichtig sein", weiß Vettel. Gerhard Berger erklärte den 22-jährigen Deutschen gar zum WM-Favoriten. "Für mich hat er das an diesem Wochenende gezeigt", erklärte der Tiroler.  "Red Bull ist von der Performance her extrem stark, hat aber noch ein Standfestigkeitsproblem."

Marko: "Alles eng beisammen"

Daran will man in der kurzen Zeit bis zum GP-Doppel in Australien (28. März) und Malaysia (4. April) arbeiten. "Es liegt alles so eng beisammen - das Kräfteverhältnis wird sich von Rennen zu Rennen ändern", meinte der Motorsportbeauftragte Helmut Marko. Den Leistungsnachteil des Renault-Motors wollte er nicht überbewerten. "Die Mercedes-PS hätten wir natürlich schon lieber, aber wir brauchen sie nicht", sagte Marko.

Tatsächlich waren McLaren und Mercedes nicht ganz so schnell wie der aerodynamisch ausgeklügelte RB6. Mark Webber kam wegen eines Fahrfehlers im Qualifying sowie eines leichten Problems am Start dennoch nicht über Rang acht hinaus. Die Luft für den Australier könnte dünner werden, sollte er weiterhin langsamer sein als Vettel. "Wir haben letztes Jahr gezeigt, dass wir kämpfen können. Wir werden es wieder tun", versicherte Webber.



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