Während die Schweinezucht in Algerien, Mauretanien und Libyen tabu ist, machen Marokko und Tunesien Ausnahmen. Beide Länder müssen Horden von Europäern und andere nicht-muslimische Touristen bewirten, die Nordafrikas Strände bevölkern.
Nach einer Geflügelpest-Epidemie vor 20 Jahren sattelte Landwirt Said Samouk um und eröffnete mit einem französischen Kompagnon eine Schweinefarm. Heute träumt er davon, seine Produktion binnen drei Jahren zu verdoppeln. Er hat rund zehn Millionen Touristen im Visier, die im Jahr 2010 in Marokko erwartet werden. Im vergangenen Jahr kamen schon 7,5 Millionen Gäste, die nicht nur Rind und Hühnchen auf ihrer Speisekarte wünschten.
"Unsere Kundschaft besteht zu 98 Prozent aus Europäern. Sie wollen Speck zum Frühstück, Schinken zum Mittagessen und Schweinekotelett zum Abendessen", sagt Ahmad Bartoul, Einkäufer eines großen Hotels in Agadir. Aus Rücksicht auf muslimische und jüdische Gäste wird das Schweinefleisch am Büfett gekennzeichnet.
Die Schweinezucht in Marokko umfasst inzwischen 5000 Tiere, die auf sieben Schweinefarmen nahe Agadir, Casablanca und Taza gezüchtet werden. Schätzungen zufolge werden jährlich 270 Tonnen Fleisch produziert, die rund zwölf Millionen Dirham (rund eine Million Euro) einbringen.
Extra-Tür für jüdischen Schweinezüchter
Die Züchter sind vier Muslime, ein Christ und zwei Juden. Einer von ihnen ist der 32-jährige jüdische Geschäftsmann Jean-Yves Yoel Chriquia, der die landesweit größte Fabrik zur Schweineverarbeitung und eine Schweinefarm mit 1000 Tieren besitzt. Zudem kauft er Schweinefleisch von ansässigen Landwirten - für rund 22 Dirham (1,90 Euro) pro Kilo. Wenn Chriquia viermal im Monat das Schlachthaus in Agadir besucht, muss er allerdings den Seiteneingang benutzen. Die Tür, durch die im Islam erlaubtes Fleisch transportiert wird, ist für ihn tabu.
"Wir haben auch einen eigenen Raum für die Schlachtung", erzählt Chriquia. Wenn das Schweinefleisch zerlegt ist und den Stempel des Tierarztes bekommen hat, wird es in einem Kühlhaus der Fabrik gelagert. Fast 80 Prozent von Chriquias Produkten gehen an Hotels in Agadir und Marrakesch. Den Rest teilen sich Supermärkte, Fleischereien und 220 chinesische Arbeiter, die gerade in der Nähe eine Autobahn bauen.
Mancher Ausländer hätte sich diesen Service nicht träumen lassen. "Meine Frau war überzeugt, dass wir hier niemals Schweinefleisch bekommen würden, weil wir in einem muslimischen Land sind", erzählt der französische Rentner Bernard Samoyeau vom ersten Besuch einer Fleischerei. "Doch wir wurden angenehm überrascht."
Absatz verdoppelt
Schweinezüchter Chriquia freut sich über den Erfolg. "Wir haben unseren Absatz binnen drei Jahren mehr als verdoppelt und durch Mundpropaganda geht es so weiter. Allerdings müssen wir vorsichtig sein, denn wir sind vom Tourismus abhängig", sagt er. Der Züchter spricht aus Erfahrung. Die Anschläge vom 11. September 2001 und der Irak-Krieg 2003 hatten seinen vorherigen Betrieb in den Ruin getrieben.
Auch Chriquia sieht keinen Interessenkonflikt zwischen seinem Job als Schweinezüchter und seinem Glauben. "Religion ist Privatsache. Ich mache ja nichts anderes, als meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und mein Rabbi hat sich nie beschwert."
Kommentare |
| Houda |
| Von wegen ein islamisches Land |
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| Outhman |
| Das Problem liegt nicht nur an Schweinzucht, sondern auch daran, dass es so viel Marokkaner, die schweinfleisch essen. In Marjan Supermakt wird schweinfleisch am meisten von Marokkanern selbst gekauft |
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